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Robin van Arsdol ist Künstler, Kritiker, Kurator, Sammler. Er ist studierter Master of Arts, der sich der Einfachheit verschrieben hat, um mit wenigen Worten und klaren Formen viel zu sagen. Der Zweck seiner Kunst ist Mitteilung. Diese gelingt ihm einerseits dadurch, dass er mit Schriftelementen Botschaften in seine Bilder integriert; vor allem aber gelingt es ihm, indem er durch die maximale Reduktion von Form und Farbe eine kraftvolle, expressive Eindeutigkeit schafft.

Robin van Arsdol studierte in Kentucky Kunst, ehe er nach New York zog, um dort das Studium an der New York University fortzusetzen und sich dort der lebendigen Szene der Street Art anzuschließen. Das war im Jahre 1973, einer Zeit, in der die Graffiti-Kunst in New York sich vom bloßen Protestaktivismus jugendlicher Schrift-Sprayer löste und bewusst gestalterische und künstlerische Akzente setzte. Ähnlich wie für Basquiat, Keith Haring oder Andy Warhol, deren Werke heute geschätzte Exponate in großen Museen sind, stellte auch für Robin van Arsdol die Straßenkunst den idealen Rahmen, um mit seiner Kunst eine maximale Öffentlichkeit zu erreichen. Ende der Siebziger Jahre zierten bereits über 5.000 dokumetierte Graffiti von R.V. – so die Kurzform des Graffiti-Künstlers – die Straßenwände der Kunstmetropole. 1978 kehrte R.V. New York den Rücken zu und zog nach Orlando, Florida, um auch diese Stadt mit seiner Kunst aufzurütteln. Er eröffnete eine Galerie und engagiert sich seit seinem Umzug aktiv im kulturellen Leben von Orlando, sei es als Kuratoriumsmitglied des Orlando Museums, als Dozent für zeitgenössische Kunst oder in der städtischen Jugendarbeit. Seine Straßenkunst ist aus dem Stadtbild von Orlando nicht mehr wegzudenken.

Der Grund, warum R.V. gehört werden will, ist nicht das Streben nach Berühmtheit. Nein. R.V. hat eine Botschaft. Und die ist durch und durch politisch. Mit dem nuklearen Wettrüsten und Vietnam aufgewachsen, richten sich schon seine frühsten icons gegen den atomaren Schrecken. R.V. malt Atompilze, aber auch sein Bad Jet und seine Panzerdarstellungen sind eindeutige Absagen an den Krieg. Als R.V. Shohei Imamuras Film Black Rain sieht, inspiriert ihn dies zu einer Serie von Nuklearlandschaften. Sie sind dunkel, düster, warnend. Wieder dient ihm die Kunst als Protest.

Einer, der ganz laut protestiert, ist sein Screaming Man, der jüngste Fingerabdruck des Künstlers – ein drollig-nachdenklicher, aufrüttelnd-warnender und vor allem zahnloser Holzklotz mit Irokesenfrisur, der Botschaften in die Welt trägt. Mal spricht durch ihn der Künstler selbst, mal könnte es jeder sein – der Screaming Man sagt, was man als Mensch eben sagen kann. Zur Welt. Zur Zwischenmenschlichkeit. Dabei hat er den Persilschein zur freien Meinungsäußerung, den er freimütig in den kleinen Sprechblasen nutzt und durch knallige Farben, die seine Ausrufe nochmals pointieren, untermauert: „Please“ kann er bitten. Oder „Be nice“ fordern. Manchmal verspricht er auch „I love you“ oder droht „I hate you“. Wenn er keine Lust auf das ganze Gerede hat, dann blökt er frech „Bla bla bla.“

Mit dem Screaming Man nimmt R.V. die Schriftzüge und Tags der Graffiti-Kunst in seine Bilder hinein und macht ihn zum Missionar einer Welt, in der Redefreiheit herrscht. Redefreiheit lässt immer auch Widerrede zu – und so spannen die vielen schreienden Männer einen Raum des Dialoges, der immer neue mögliche Gespräche ergibt. „I love you – Bla bla.“ „I hate you – Please, be nice.“ “Luv? – Luv!”

Mit seiner reflexiv-witzigen, immer pointierten Kunst hat R.V. internationale Bekanntheit errungen. Er ist ein populärer und fesselnder Performance Künstler, wenn er etwa in seiner Hommage an Yves Klein ein Aktmodell mit Blau bemalt, um sie abstrakt auf einer Leinwand abzustempeln, oder wenn er Screaming Men mit einer Kettensäge aus Baumstämmen schält. Seine leicht wiedererkennbaren, expressiven Darstellungen zieren
das Stadtbild von unter anderem Liverpool, Venedig und Berlin und ziehen die Blicke tausender Passanten auf sich. R.V. ist auf Ausstellungen und Workshops rund um den Globus gefragt. Er wurde stellvertretend für die Straßenkunst der USA zum Multiplicity as Idea-Producing System (M.A.I.S.) nach Berlin geladen; außerdem nahm er an den Biennalen in unter anderem Liverpool und St. Petersburg teil.